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Gutes Debüt
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 100 REZENSENT) Rezension bezieht sich auf: Deadtown (A Deadtown Novel) (Taschenbuch) Blurbs sind ein Markenting Instrument, dem ich grundsätzlich misstraue. Ein Blurb wirbt nicht nur für das Buch, sondern auch für den Autor, der ihn geschrieben hat. Die meisten Autoren sind viel zu positiv (weigern sich ihre negativen Erfahrungen zu teilen) und manche sind bereit alles zu blurben, was ihnen unter die Finger kommt. Außerdem ähneln sich Blurbs stark und treffen keine wirkliche Aussage über das Buch. Hast du einen gelesen, hast du alle gelesen.
Doch sie wirken. Ich hatte mir überlegt DEADTOWN zu kaufen und als ich las, dass Ilona Andrews ihn als einen der besten Paranormalen Fantasyromane des Jahres 2009 bezeichnete, konnte ich nicht widerstehen.
Ganz kann ich mich Ilona Andrews Meinung nicht anschließen. DEADTOWN mag ein gutes Debüt sein und ich werde die Reihe weiterhin verfolgen, doch vom Hocker gerissen hat es mich nicht. Es könnte wesentlich stärker sein.
Als Boston von einem mysteriösen Virus heimgesucht wurde, der Menschen in Zombies verwandelte, traten die Paranormalen an die Öffentlichkeit. Sie waren immun gegen den Virus und konnten ihn eindämmen. Doch viel zu rasch schlug die Stimmung der Menschen von Dankbarkeit in Angst und Misstrauen um. In Ghettos eingesperrt muss die paranormale Gemeinschaft um grundlegende Menschenrechte kämpfen.
Vicktory Vaughn lebt in Deadtown, wo sie Demonen für ihren Lebensunterhalt tötet. Als sie auf den Dämon stößt, der ihren Vater auf dem Gewissen hat, will sie sich um jeden Preis an ihm rächen. Dass sie dadurch Boston vor der sicheren Vernichtung bewahrt ist natürlich ein Bonus.
Nancy Holzner gehört zu den wenigen Paranormalen Fantasyautoren, die sich mit den gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Konsequenzen ihrer Settings auseinandersetzen. Rassentrennung berührt Vickys Leben auf vielfältige Weise. Ghettoisierung, das Fehlen grundlegender Menschenrechte, Polizeigewalt und die populistischen Manipulationsversuche beider Seiten im Wahlkampf gehören zu den auffälligeren Konsequenzen. Andere sind subtiler. Freaktourismus, die Perspektivenlosigkeit von zombifierten Jugendlichen und Kindern, die Ausbeutung von billigen Zombiearbeitskräften und die Firmen die daraus Profit schlagen weil sie andere unterbieten können und unauffällige aber effektive Versuche in Selbstregulierung machen das Setting glaubhaft. Dabei kann es Holzner vermeiden belehrend zu wirken oder den Leser mit Botschaften niederzuknüppeln. Zudem enthalten diese Themen Potential für weitere, starke Handlungsfäden.
Vicky als Ich-Erzählerin ist die typische toughe, kick-ass Heldin. Doch eines macht sie zu etwas Besonderem. Als Cerddorion (Waliser Gestaltwandler) hat sie die Wahlmöglichkeit zwischen einer Existenz als Mensch oder als Paranormales Wesen mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen. Denn mit der Geburt ihres ersten Kindes verlieren die ausschließlich weiblichen Cerddorion ihre paranormalen Fähigkeiten und erhalten die Rechte eines normalen Menschen. Während Vicky auf ihre Abstammung und Fähigkeiten stolz ist und das Demonentöten als Berufung ansieht, hat sich ihre Schwester für die Existenz als Mensch und Mutter entschieden. Die Möglichkeit der Wahl und die damit verbundenen Konsequenzen sowie die spannungsgeladene Beziehung der Schwestern halte ich für einen brillanten Einfall.
Andere Seiten an Vicky haben mir weniger gefallen. Die Flashbacks in ihre Jugendzeit gewähren interessante Einblicke, wirken aber weniger ausgefeilt und etwas flach. Sie neigt zu übereilten, offensichtlich falschen Verdächtigungen und ihr Liebesleben ist trotz krampfhafter Bemühungen der Autorin langweilig.
Eine Dreiecksgeschichte sollte Spannung und Bewegung in die romantische Nebenhandlung bringen. Vickys Freund und ihr Schwarm sind aber so langweilig, dass es mir völlig egal ist, mit wem Vicky schlussendlich zusammen kommt. Zudem bin ich ein bisschen von Vicki enttäuscht. Sie steckt in einer Beziehung, die alles andere als perfekt ist (beide sind Workaholics und etwas egoistisch). Dennoch kann Vicky es kaum erwarten ihren Freund zu sehen und ihn ins Bett zu bekommen. Gleichzeitig verguckt sie sich in einen anderen, von dem sie denkt, er sei verheiratet. Sie wird sowohl auf ihren Freund als auch auf ihren Schwarm eifersüchtig. Dabei ist sie diejenige, die herumspielt. Das ist kein guter Charakterzug und da er von keiner Seite kritisiert wird, bin ich mir nicht im Klaren, ob die Autorin sich seiner bewusst ist.
Ein weiterer, problematischer Nebencharakter ist der Zombieteenager Tina, Vickys Lehrling im Töten von Demonen. Tina erfüllt drei Funktionen. Erstens bringt sie den Leser in Kontakt mit Zombies, wodurch dieser Teil des Settings betont wird. So erfährt man auf ungezwungene Weise mehr über deren Besonderheiten und Probleme. Zweitens baut sie als Comic Relief Spannung ab und bringt eine humorvolle Note ein, die Vicky völlig fehlt. Allerdings ist Tina ein derart schriller, unmöglicher und respektloser Charakter, dass sie für manche Leser die Grenze zur Ärgerlichkeit überschreiten könnte. Diese Züge spielen in ihre dritte Aufgabe hinein - Vicky in unmögliche Situationen zu bringen und der Handlung somit eine unerwartete Wendung zu geben. Mit der Zeit nervt das gewaltig. Weil man weiß, dass Tina Vicky durch ihre Gedankenlosigkeit in Todesgefahr bringen wird, ist es schwer nachzuvollziehen, warum sie sich nicht von ihr trennt. Dass Vicki sich selbst in Tina sieht, mag eine oder zwei solcher Situationen entschuldigen - nicht aber mehrere.
Die Haupthandlung gehört zu der schwächeren Sorte. Ich hatte gehofft, dass der Dämonenbeschwörer nicht der offensichtliche ist, sondern ein gewisser anderer Charakter (es hätte ihn interessanter gemacht), doch ich wurde enttäuscht. Mit den schwarzen Kapuzenmänteln, dem verrückten Antagonisten samt Bösewicht-Offenbarung-Monolog und Menschenopfer erschien mir die große Konfrontation etwas zu klischeehaft.
Auch wenn DEADTOWN sich nicht als der erwartete Knüller erwiesen hat, handelt es sich ein gelungenes Paranormales Fantasydebüt. Ich glaube, dass in dieser Reihe noch viel Potential steckt.
Vicktory Vaughn: Deadtown, Hellforged, ...
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 26. Februar 2010 | | |
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